St. Leoner Sauerkrautmarkt

Der erste Sonntag und der folgende Montag nach Allerseelen sind traditionsgemäß die Tage, an denen der weithin bekannte "St. Leoner Sauerkrautmarkt" stattfindet. Eingebunden ist die St. Leoner Kirchweih, die schon am Samstag zuvor beginnt und mit Fahrgeschäften und Süßwarenständen lockt. Tausende von Besuchern aus nah und fern werden alljährlich erwartet. Schon der große Besucherstrom zeigt, dass der St. Leoner Sauerkrautmarkt bei der Bevölkerung großes Ansehen genießt und seit mehr als 500 Jahren immer wieder gerne besucht wird.

Im Jahre 1482 erstmals erwähnt

Stand auf dem Sauerkrautmarkt

Der St. Leoner Markt wurde im Jahre 1482 erstmals erwähnt; im Jahre 2012 jährte sich die Ersterwähnung zum 530. Mal. In einer Bestallungsurkunde für den Waldfaut im Lußhardt (der Faut (= Vogt) war ein fürstbischöflicher Verwaltungsbeamter) bestimmte der Speyerer Bischof Ludwig I., dass das jährliche Standgeld "uf dem Marckt zu Sant Lene" jeweils dem Waldfaut zukommen solle. Das Standgeld bildete einen Teil der Entlohnung dieses bischöflichen Beamten und betrug damals "von jedem der Ware feil hält, zwene Pfennige". Da sich frühere Bestallungsurkunden nicht finden, jedoch das Standgeld des St. Leoner Markts bei den Nachfolgern im Amt des Waldfauts immer wieder erwähnt wird, lässt sich vermuten, dass der Markt damals schon einigen Bestand hatte. Das Standgeld des St. Leoner Marktes hatte die Herrschaft, also der Bischof von Speyer, zu beanspruchen. Es wurde direkt auf dem Markt von den Händlern eingesammelt, wie es auch heute noch Brauch ist. Im Jahre 1660 erhob der mächtige Nachbar Kurpfalz Ansprüche auf ein Drittel des Standgeldes.

Markt wurde vor dem Dorf auf dem Feld abgehalten

Blick auf das Marktgeschehen

Damals wurde der Markt noch vor dem Dorf auf dem Feld abgehalten und, um die Flur zu schonen, jedes Jahr auf einem anderen Feldgewann in einem dreijährigen Rhythmus. Aufgrund verschiedener Vorkommnisse verfügte der Bischof, den Markt "im Flecken drinnen", also im Ort abzuhalten. Innerhalb des befestigten Dorfes war der Markt geschützter und wurde von den Händlern auch lieber besucht. Obwohl der Krämermarkt nur einmal im Jahr abgehalten wurde, war er mehr als ein bloß vorübergehendes Ereignis. Er stellte einen bestimmenden Faktor für das ganze politische und soziale Leben der Gemeinde dar. Um 1600 war der St. Leoner Krämermarkt schon weithin bekannt und bedeutend. Hinter dem Wort "Kram" verbargen sich auch Güter des höheren Bedarfs. Als Beispiel dafür kann dienen, dass sogar die fürstbischöfliche Hofschneiderei aus Bruchsal Tücher und Stoffe einkaufen ließ.

Im 18. und 19. Jahrhundert spielte der Hanf eine zunehmend große Rolle auf dem Markt, so dass St. Leon zu einem regionalen Mittelpunkt des Hanfhandels wurde. Aus allen Dörfern der näheren und weiteren Umgebung kamen die Händler und Bauern, die den Hanf an- oder verkauften. Nach dem allgemeinen Rückgang des Hanfanbaues veränderte sich auch das Gesicht des Marktes.

Zusammenlegung mit dem Kirchweihfest

Historisches Kettenkarussell auf dem Sauerkrautmarkt

Um 1875 wurde der Markt mit dem Kirchweihfest zusammengelegt. Die ursprünglich ausschließlich dem Handel gewidmete Veranstaltung gewann nun mehr und mehr den Charakter eines Volksfestes.
Die Bedeutung als Handelsmarkt blieb jedoch erhalten und bildet bis heute den wesentlichen Bestandteil des Marktgeschehens. Der Volksmund gab ihm in der Folgezeit den Namen „Sauerkrautmarkt“, weil jährlich um die Zeit des Marktes das erste frische Sauerkraut der neuen Ernte auf den Tisch kommt; doch als eigentliches Handelsprodukt auf dem Markt spielte das Sauerkraut wohl nie eine Rolle.

Dass der St. Leoner Markt immer beliebter wird, geht schon daraus hervor, dass die Verkaufsstände zunehmen. Waren es bis vor etwa 10 Jahren noch stetig 100 Verkaufsstände, so sind es inzwischen mehr Stände, die Haushaltsgegenstände, Spielwaren, Kleider, Stoffe, Schuhe, Kurzwaren, verschiedene Geschenk- und Gebrauchsartikel sowie allerhand Neuheiten anbieten. Und da dieser Markt mit dem Kirchweihfest verbunden ist, dürfen Karusselle, Autoscooter, Schießbuden und "Gutselstände" nicht fehlen.
Von früher her ist der St. Leoner Sauerkrautmarkt auch ein Fest der Gaststätten, in denen man sich mit Freunden und Bekannten, aber auch mit jenen St. Leonern trifft, die in der Ferne wohnen und an diesen Tagen ihre alte Heimat besuchen.