Freiwillige Feuerwehr St. Leon

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Unterlagen der Karlsruher Firma Metz belegen bereits 1843 die Anschaffung einer von Pferden gezogenen Spritze. Aber erst am 8. Mai 1895 wird die St. Leo­ner Feuerwehr beim Wieslocher Bezirksamt registriert. Demnach ist die St. Leoner Feuer­wehr viel älter als angenommen und urkundlich nachgewiesen.

Eine fahrbare Spritze gehört ab dem Jahre 1912 zur Aus­rüstung der Wehr, die Brände hauptsäch­lich mit Wassereimern, Einreißhaken, Schlauchwagen und einer Anhän­geleiter bekämpfte.

Unüberbrückbare Meinungsver­schiedenheiten gegenüber dem ideologischen Gedankengut der Nationalsozialisten während des Dritten Reiches, die Teilnahme an Fronleichnamsprozessionen trotz Verbots und die Weigerung, der neu formierten Feuerpolizei bei­zutreten, sind die Gründe, warum 33 von 44 Wehrmänner - darun­ter auch der damalige Komman­dant Valentin Brecht - aus der Wehr austreten. Damit kommen sie einem Ausschluss zuvor.
Aufgrund der 1943 erworbenen motorisierten Tragkraftspritze (TS 8/8), von Bürgermeister Säubert übergeben, werden die St. Leoner Wehr und der Omnibusbesitzer Karl Heger nach den schweren Bom­benangriffe 1944-45 in Mannheim zu Löscheinsätzen ver­pflichtet.

Der Neuaufbau

Der Neuaufbau nach dem Zusam­menbruch 1945 gestaltet sich schwierig. Niemand will mehr eine Uniform tragen. Erst ein Scheunenbrand beim Gasthaus "Zur Rose" zwingt die Gemeindeverwaltung St. Leon noch im Jahre 1945 zum Handeln und dazu, eine Feuerwehr ins Leben zu rufen: Eugen Steger, Wilhelm Wiedemann, Fridolin Bender, Emil Bitz und Helmut Stegmüller werden zu „Männern der ersten Stunde". Deren Arbeit legt den Grundstein für eine schlagkräf­tige Wehr.
Bürgermeister, Gemein­derat und Gemeindeverwaltung  sind sich ihrer, auch finanziellen Verantwortung für den Schutz der Bevöl­kerung vor Bränden und anderen Katastrophen bewusst.

Als erstes Löschfahrzeug wird 1949 ein Opel Blitz LF 8/8 in Dienst gestellt. 1959 folgt eine neue TS 8/8, denn die alte TS 8/8 hatte ihre Pflicht getan. Ihre Hand­habung war wie folgende Begebenheit zeigt zum Lotteriespiel geworden:
Brand­ort Gasthaus "Zur Post": Das Lösch­wasser muss aus dem Tiefbrunnen bei der Bäckerei Schmitz entnom­men werden. Wieder einmal ver­sagt die Pumpe. Klaus Wendel kommt dazu und meint: „Karl, wenn se net ball ogrigscht, geht's Feier vunn aloo aus!"

Ein neues Tanklöschfahrzeug des Typs TLF 16 wird gekauft, weil die öffentliche Wasserversorgung und eine unabhängige Löschwasserversorgung fehlen. Es  erhöht die Schlagkraft der Wehr. 1971 wird die Jugendfeuerwehr gegründet und von Josef Hlawatsch geleitet. In den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts wird die technische Ausstattung u.a. mit einem Tanklöschfahrzeug (TLF) 16/25 und einem Fahrzeug für den Mannschaftstransport verbessert. In der Zeit von 1990 bis 1998 erhält die Wehr ein neues TLF 16/25 und weitere persönliche Ausstattung für die Feuerwehrangehörigen (Hitzeschutzkleidung, Vollschutzanzüge).

Mitte der 90er Jahre feiert die St. Leoner Wehr ihr 100jähriges Jubiläum mit einem Festbankett mit Fahnenweihe und einem Großen Zapfenstreich. Ein Festumzug unter Beteili­gung benachbarter Wehren und der Ortsvereine, insgesamt 68 Grup­pen, sowie ein Heimatabend ergänzen die Festlichkeiten und unterstreichen die Bedeutung der Feuerwehr.

Ein Jahr später begeht die Jugend­feuerwehr ihr 25-jähriges Jubiläum und doku­mentiert so die intensive Jugendar­beit.

Alte Fahne kehrt heim

Erst ein Hinweis 1997 von der EDITION ET EXPERTISE ANTIPUITES HISTORIQUES ET MILITAIRES in Straßburg wies auf die noch exisitierende alte Fahne der St. Leoner Feuerwehr hin. Wie sich herausstellte, hatte ein französi­scher Offizier die Fahne 1945 als Souvenir aus dem St. Leoner Rathaus „mitgehen" lassen. Nach seinem Tode verkauften dessen Verwandte die Fahne weiter. Ein Straßburger Antiquitätenhändler hatte sie in Nizza erworben und die St. Leoner Feuerwehr hierüber verständigt.

Die Fahne wurde erworben, und sie ist heute ein kostbares Dokument der Geschichte der Feuerwehr St. Leon.

Die alte Fahne wurde im Jahre 1911 für den 1886 gegründeten Militärverein gestickt. Die beiden Zahlen hinter den jetzigen Jahres­zahlen 1895 und 1923 auf der Fahne entdeckt, sind ein Beleg hierfür. Auch der Schriftzug „Mili­tärkriegerverein" war unter der Aufschrift „Freiwillige Feuerwehr" zu sehen. Die Umänderung in „Freiwillige Feuerwehr" erfolgte im Jahr 1923.